DIE ZWÖLF GESCHWORENEN



Kriminalstück von Reginald Rose
Regie: Wolfgang Rumpf
Ausstattung: Manfred Bitterlich

Mit:
Renate Blume / Katrin Martin, Daniella Erdmann / Sara Wehrs,
Alexandra Madincea, Sandra Steinbach, Bibiana Malay,
Karl-Heinz Barthelmeus, Thomas Hailer, Mario Krüger, Arne Lehmann,
Thomas Linke, Wolfram von Stauffenberg und Klaus Rätsch


  


Es ist der heißeste Tag des Jahres. Ein Gewitter liegt in der Luft. An diesem Tag findet der letzte Tag eines schwerwiegenden und an sich eindeutigen Mordprozesses mit schier erdrückender Beweislast statt: Ein 17jähriger aus einem Slumviertel hat im Streit seinen Vater mit einem extrem auffälligen Springmesser erstochen. Die Anklage präsentierte zwei glaubhafte Zeugen. Beide haben den Jugendlichen bei der Ausführung der Tat beobachtet und ihn kurz darauf wegrennen gesehen. Reginald Roses Stück DIE ZWÖLF GESCHWORENEN setzt mit dem Ende der Verhandlung ein, als sich die Geschworenen zur Beratung zurückziehen. Wir lernen zwölf New Yorker Männer und Frauen völlig unterschiedlichen Charakters und Temperaments kennen, deren einzige Gemeinsamkeit es ist, bestimmt worden zu sein, in diesem Mordprozeß einen einstimmigen Schiedsspruch zu fällen. In einem engen, von der Außenwelt abgeschlossenen Raum beraten sie darüber. Da der Fall eindeutig ist, wird mit einem raschen Ende der Sitzung gerechnet. Elf der Geschworen sind sich sofort einig: Der Angeklagte ist schuldig. Einer jedoch stellt sich gegen die Mehrheit: Er hat einen begründeten Zweifel und plädiert deshalb für nicht schuldig. Die Entscheidung über Leben und Tod eines Menschen ist ihm mindestens eine faire Diskussion wert. Das Unverständnis der Mitgeschworenen ist groß. Sie versuchen, den Zweifler mit mehr oder weniger stichhaltigen Argumenten von ihrem Schuldspruch zu überzeugen. Detailgenau werden noch einmal die Zeugenaussagen besprochen, die Tatwaffe erneut betrachtet, ebenso wie der Tatort-Plan und das Motiv. Und plötzlich, nach genauerer Analyse, scheinen die Beweise keineswegs mehr eindeutig. Die hitzigen Gemüter stoßen aufeinander, Reibereien, Streitigkeiten bestimmen die Diskussion. Die Atmosphäre im Raum ist zum Zerreißen gespannt. Doch nach und nach wird die Mauer der Vorurteile und schnellen Schlußfolgerungen brüchig... Wie hoch ist das Risiko, einen Unschuldigen hinrichten zu lassen?

Die 12 Geschworenen ist das Kinofilmdebüt des US-amerikanischen Regisseurs Sidney Lumet aus dem Jahr 1957. Das kammerspielartige Justizdrama ist eine Kinoadaption des gleichnamigen Fernsehspiels von Reginald Rose, das am 20. September 1954 ebenfalls unter der Regie Lumets im Rahmen der Fernsehserie Studio One ausgestrahlt wurde. Der Film in seiner Original-Kinofassung von 1957 gilt bei Soziologen und Psychologen bis heute als ein Musterbeispiel zur Anschauung von Rollenverhalten, Gruppenverhalten und gruppendynamischen Prozessen.

Von der ursprünglichen Besetzung die aus Norman Fell, John Beal, Franchot Tone, Walter Abel, Lee Philips, Bart Burns, Paul Hartman, Robert Cummings, Joseph Sweeney, Edward Arnold, George Voskovec und Will West bestand, gehörten nur Joseph Sweeney (Geschworener Nr. 9) als zerbrechlich wirkender alter Mann und George Voskovec (Geschworener Nr. 11) als ausländischer Uhrmacher zur Besetzung der Kinoadaption. Um eine klaustrophobische Stimmung zu erzeugen, verwendete Regisseur Sidney Lumet für die Filmkameras Linsen mit einer längeren fokalen Brennweite, so dass aus der Sicht des Zuschauers die Darsteller mit dem Bildhintergrund verschmelzen. Weil die intensiven Proben für den Film ganze zwei Wochen verschlangen, wurde "Die 12 Geschworenen" in nur 21 Tagen abgedreht. Das von Hauptdarsteller Henry Fonda und Drehbuchautor Reginald Rose produzierte Justizdrama gewann zwar die Gunst der Kritiker und zahlreiche Filmpreise, doch an den Kinokassen war Sidney Lumets Debütfilm kein Erfolg beschieden. Der auf 340.000 US-Dollar geschätzte Film spielte noch nicht einmal die Produktionskosten wieder ein. "Die 12 Geschworenen" gilt heute als Filmklassiker und begründete Sidney Lumets erfolgreiche Regiekarriere, die er mit Werken wie der Krimiadaption Mord im Orientexpress (1974) oder der Mediensatire Network (1976) untermauerte.