Krimi-Lesung

Lesung: Stephan Weichert – Weibliche Kriminalpolizei, Berlin: Verdunklung 1940

Weibliche Kriminalpolizei gegen toxische MĂ€nnlichkeit

Lesung am 05.12.2023, 20 Uhr

Moderiert von Frauke Jurisch

Deine Gedanken sind der Anfang deiner Taten

ADLER- weibliche Kriminalpolizei Berlin (Verdunkelung 1940) ist eine geschickte Verwebung aus True-Crime, historischen Ereignissen und ĂŒberraschenden Wendungen in einer dĂŒsteren Welt des Berlins der vierziger Jahre. Der Untertitel „Verdunkelung“ kann auf mehrfache Art verstanden werden: Verdunkelung wegen Luftangriffe auf  Berlin oder Verdunkelung von Taten gegen das Weibliche und gegen die MenschenwĂŒrde. Oder ist es am Ende die Verdunkelung eines Attentatsplans gegen das Regime?

Berlin 1940. Luftangriffe erreichen die Reichshauptstadt, es herrscht Verdunkelung. Die MĂ€nner sind im Krieg und die Frauen mĂŒssen ihre ArbeitsplĂ€tze einnehmen, oft spĂ€t bis in die Nacht. Der Tod lauerte zu dieser Zeit in der S-Bahn auf der Strecke Ostkreuz bis Erkner (heute S3). Ein Mann versetzt die Berlinerinnen in Angst und Schrecken. Immer wieder ĂŒberfĂ€llt und vergewaltig er Frauen in der S- Bahn und wirft sie am Ende aus dem fahrenden Zug. Die Polizei sucht ihn mit verrĂŒckten Methoden, setzt in den ZĂŒgen als Frauen verkleidete Beamte sowie Frauen der weiblichen Kriminalpolizei als Lockvögel ein. Doch tappt man im Dunkeln. Der TĂ€ter ist immer einen Schritt schneller, die Machthabenden des Nazi- Regimes verleugnen ihn sogar vor der Öffentlichkeit und befördern damit weitere grausame Morde an Frauen. Doch ist dies kein Zufall, sind dies die gleichen MĂ€nner, die bereits in vollen ZĂŒgen wĂŒten und die Welt in die Katastrophe fĂŒhren – mit Verfolgung, DemĂŒtigung und systematischer Vernichtung.

 

Der selbst ganz in der NĂ€he der OriginalschauplĂ€tze wohnende Autor, Stephan Weichert, hat den wahren Kriminalfall des berĂŒchtigten Berliner S-Bahnmörders von Rummelsburg grĂŒndlich recherchiert, originalgetreu rekonstruiert und die ganze Geschichte in ADLER BERLIN – Verdunkelung 1940 in einen völlig neuen Fokus gestellt. „Hinter dem wahren Fall entdeckte ich eine beklemmende Episode toxischer MĂ€nnlichkeit“, so Weichert. „Mit Macht und Missbrauch wurde ĂŒber das SchwĂ€chere geherrscht und geriet zum Treibstoff fĂŒr Missbrauch,

Verfolgung, Homophobie und Genozid. Ich habe versucht, die authentischen Ereignisse des S-Bahnmörders in eine episodisch spannende Geschichte zu verpacken, bei der man sich schnell in einem ganzen Netz von Ereignissen im verdunkelten Berlin der 40er Jahre verfĂ€ngt und gleichsam mit tragischen Einzelschicksalen der Nazi- Verbrechen konfrontiert sieht, die sich genau zur gleichen Zeit zugetragen hatten.“

 

Im Mittelpunkt der Geschehnisse steht die Hauptfigur Luise Adler. Sie gab es damals tatsĂ€chlich, auch wenn unter anderem Namen. Sie war eine von sieben Frauen der weiblichen Kriminalpolizei in Berlin, die als weibliche Lockvögel bei Großfahndungen sowie bei ErmittlungstĂ€tigkeiten fĂŒr kriminell und sexuell gefĂ€hrdeten Frauen zustĂ€ndig waren. Die erste Einstellung von Frauen in den Polizeidienst erfolgte in Deutschland bereits im Jahr 1923. Der Aufbau einer weiblichen Kriminalpolizei fĂ€llt in das Berlin der dreißiger Jahre. Jede grĂ¶ĂŸere Dienststelle bekam eine Weibliche hinzu.

Zum Autor:

Stephan Weichert ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Er studierte Erziehungswissenschaften, Psychologie und Germanistik. Wenn er nicht schreibt, entwickelt er moderne Schulkonzepte und ist Dozent an der Freien UniversitĂ€t Berlin. Mit dem Auftakt seiner Reihe (Band 2 im Herbst 2023), lĂ€sst der Berliner Autor seine Leserinnen und Leser einen Blick zurĂŒck in die AbgrĂŒnde der NS-Diktatur werfen, aber auch in die AnfĂ€nge der Gleichberechtigung von Frauen im Polizeiapparat, auch wenn es bis dahin noch ein sehr weiter Weg ist.

Leseprobe: https://cdn.shopify.com/s/files/1/0584/6099/5778/files/Weichert_Adler_Berlin_Leseprobe.pdf?v=16635 79274

Adler, Weibliche Kriminalpolizei, Berlin. Verdunklung 1940, erschienen am 19.9.2022 bei edition krimi